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Zeit für die Familie – Elternzeit als Selbstständiger

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Sandkasten
Das este Mal im Sandkasten spielen..

Als ich Mitte 2015 mit Johannes beschlossen hatte ein Unternehmen zu gründen, war Mareike bereits schwanger. Ich bin immer noch etwas enttäuscht, dass in solchen Phasen die Dauerbefristungen der Wissenschaft und selbst der öffentliche Dienst uns als Familie keine Sicherheit bieten konnten, wie ich es erhofft hatte. Aber ich trauere der Entscheidung und der Zeit dort keine Träne nach. Alles ist besser geworden. Und die Elternzeit war genau die richtige Entscheidung für uns.

Das erste MünsterCamp: Macht Münster digital!

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...dann begann auch schon die Vorstellungsrunde.

Am 24. Februar fand das erste MünsterCamp statt. Es fand nicht nur in Münster statt sondern auch das Thema war: Münster. Jetzt könnte man sich fragen: Was macht der Bonner in Münster? Aber die beiden Städte haben viel gemeinsam. Und der Austausch beim Barcamp war einfach toll!

So wird man in Münster begrüßt: Klingeling!

Bonn möchte Fahrradhauptstadt 2020 werden – Münster wächst immer weiter und erstickt in Fahrrädern, wegen einer Fahrradinfrastruktur aus den 70ern für viel zu wenige Menschen. Beide Städte haben übrigens in etwa 300.000 Einwohner. Es gibt also zumindest eine Gemeinsamkeit, wenn auch einige Unterschiede.

In Münster wird die Initiative Münsterland.digital von DWNRW gefördert, in Bonn haben wir den Digital Hub Region Bonn. Münster hat einen Verein, Bonn eine AG. Schon alleine die beiden Themen haben in den Kaffeepausen zwischen den organisierten Kaffeepausen schönen Raum einnehmen können.

Das Kreativhaus – ein schöner Raum in Münster

Die Location war das Kreativhaus, super gelegen in Bahnhofsnähe. Die Ansprechpartnerin vom Haus wurde mir vorgestellt und ach, auch sie kommt aus Bonn, lebt und liebt jetzt Münster.  Direkt dabei begrüßten mich Andrea Hansen und Kai Heddergott, die als Organisatoren mich netterweise noch mal freundlich auf das 1. Barcamp in Münster hingewiesen haben. Tickets waren umsonst, die Reise war es nicht!

Begrüßung und Sessionplanung

Die alten Barcamphasen kennen das Ritual. Aber für mich war es erfrischend noch mal in der Teilnehmerrolle zu sein. Und ich habe mich von Andrea und Kai inspirieren lassen, den Ablauf eines Barcamps wirklich allen noch mal in einfachen Worten zu erklären. Das ist ihnen gelungen, ohne dass es deswegen längen gab. Ganz im Gegenteil entsponn sich in der Vorstellungsrunde ein Running Gag der Münsteraner, welcher der vielen Stadtteile wohl der schönste sei. Um nicht in die Verlegenheit zu kommen, Bonn als schönsten Stadtteil Kölns verteidigen zu müssen, wagte ich den Angriff: #BonnLiebe. #Münster sei aber #Auchschön. So macht man sich nicht gerade beliebt.

Die Sessions

Bei der ersten Session fühlte ich mich ganz an Bonn vor drei Jahren erinnert: „Wie kann man die digitalen Initativen in (Bonn) Münster vernetzen?“ Die Antwort „mit einem Barcamp“ kam auch, und welche Überraschung, dass wir gerade bei einem waren. Münster hat keine zentrale Plattform, wo sich die digitalen Initiativen wiederfinden und vernetzen können.

Lebensqualität war aber auch ein ganz wichtiges Thema, um zu erklären, warum es ein digitales Münster braucht:  “What’s in it for me?” Das fragt sich nicht nur der Münsteraner, auch für Bonn ist die Frage nach der Motivation sehr wichtig. Es wurde beschlossen wenigstens mal mit einem gemeinsamen Hashtag zu beginnen: #Münsterdigital. Ich fragte am Ende, wer sich denn nun verantwortlich fühlte: fünf bis sechs zeigten auf. Die werden das hoffentlich motiviert vorantreiben.

Was geht eigentlich so in Bonn digital?

Es folgte meine eigene Session. Ich erzählte die Entstehungsgeschichte hinter Bonn.digital, wollte mich selbst auf 20 Minuten begrenzen, knackte aber sofort die 35 Minuten, als ich alle Webseiten und die Geschichten dahinter erzählen wollte.

Bundesstadt.com, BonnerBlogs.de, Bonn.jetzt, Bonn.Community und Bonn.wiki, als Portale, aber auch die lokale Listen bei Twitter, Gruppen bei Facebook und viele andere Netze, die lokale Relevanz haben, wollten gezeigt werden. Auch Geschichten von der Stadt, Politik, Verwaltung und anderen Bonner Institutionen wollten erzählt werden, aber ich wollte ja auch zuhören, was in Münster so passiert. Scheinbar viel: und selbst Vertreter der Stadt waren beim ersten Camp dabei und tauschten sich über Ideen für Münster aus.

Die Mittagspause flog rum, es gab leckeres Curry. Überhaupt gab es im Kreativhaus nicht Catering von der Stande, sondern liebevoll abgeschmeckte Gerichte, die uns herzlich und persönlich serviert wurden. Danke dafür!

Mobilität und Stadtmarketing vs. Münster4Life

Im obersten Stock sprachen wir dann über „Mobilität jenseits des Fahrrads“. Beziehungsweise diesmal versuchte ich mehr zuzuhören. Ein Vertreter der lokalen Stadtwerke war da und man diskutierte von Tesla, über moralische Entscheidung einer künstlichen Intelligenz im Auto bis zu Tarifstrukturen. Am Ende wollte ich noch schnell die Vision loswerden, dass ich am liebsten mich einfach fortbewegen möchte, ohne komplizierte Zahlungsvorgänge und Tickets, möglichst „intermodal“ und immer an meine Bedürfnisse orientert. Mit dem Bus zum Fahrrad durch den Supermarkt und dann zum Kombi. Träumen wird man ja wohl noch dürfen. Und wer weiß, welches Startup diese Träume bald erfüllen wird.

Ruckizucki waren wir dann auch schon bei der letzten Session? Brauchen wir noch Stadtmarketing fragte bewusst provokativ Simone Weilandt. Zwar bekommt Münster demnächst ein neues Corporate Design, aber müsste sich beim Stadtmarketing deswegen etwas an der Kommunikation ändern?

Im Raum saß auch der Macher hinter „Münster4Life“, kur MS4L, der ein lokales Portal nur mit positiven Meldungen und Lebensfreude aus dem Münsterland aufgebaut hat. „Wenn es nichts zu kommunizieren gibt, dann kommunizieren wir auch nicht.“ Ein Konzept darüber hinaus? Gibt es nicht? Wäre eine Kooperation mit Münster4Life nicht eine neue Form das Stadtmarketings? Beide Seiten fühlen sich sehr in der Sache Münster verbunden und kennen sich auch gut. Beim Thema Kooperationen, da war jetzt keine überschängliche Begeisterung spürbar, vielleicht weil beide sehr unterschiedlich arbeiten, aber doch eine deutliche Wertschätzung.

Wir sprachen über Instagram-Hashtags wie #exploreMünster und Instawalks, über Blogger Relations auf Augenhöhe, über Rotation Curation bei Twitter und dem Drucken von Instagram-Fotos auf Stadtposter. Viele Ideen wurden getauscht, wie aus dem Stadtmarketing ein Community-Management für Stadtmarketing werden kann. Ich empfahl eine Art „TourismusCamp“ um die Blogger und Social-Media-affinen Münsteraner mal mit den „Leistungsträgern“ aus Wirtschaft und Tourismus zusammenzubringen.

Feedbackrunde

Das berühmte Bio-Bier aus Münster: Pinkus!

Das MünsterCamp war Barcamp pur. Schöne Gespräche, super Atmosphäre, entspannte und interessante Menschen, Austausch auf Augenhöhe. Und zum Ende gab es nach der gut gefüllten Feedback-Runde noch ein leckeres Münsteraner Bio-Bier, Pinkus, dass sogar in den USA verkauft wird. In diesem Sinne sage ich „Prost“, danke allen die mitgemacht haben, besonders den Sponsoren und freue mich auf den nächsten Besuch in Münster und viel Besuch aus Münster in Bonn.

9 nützliche WordPress-Plugins für Wissenschaftler IV

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PressBooks - Screenshot
PressBooks - Screenshot

Nach einigen Monaten habe ich nun wieder genug neue Wordpress-Plugins gesammelt, die für GeisteswissenschaftlerInnen und ForscherInnen interessant sein könnten. Es braucht nach Teil I, Teil II, Teil III also nun keine lange Vorrede mehr.

PressBooks.com/PressBooks.org

PressBooks - Screenshot
PressBooks – Screenshot der Exportfunktionen

Wie wundervoll wäre es, wenn ich demnächst meine Bücher in einer WordPress-Oberfläche schreiben könnte, inkl. Fußnoten, Bilder und Mehrautoren-Kollaboration und danach das Ergebnis als HTML-Website, aber auch als PDF, eBook und für Kindle veröffentlichen könnte? Das braucht kein Traum zu bleiben. Wer technisch versiert ist, installiert sich PressBooks.org, wer es kostenlos ausprobieren möchte, registriert sich bei PressBooks.com. Ich bastele schon mal fleißig daran, meine eigenen Bücher nun in eine eigene PressBooks-Installation zu importieren. Das aktuelle Plugin (muss in einer frischen MultiSite installiert werden) findet ihr bei GitHub:

https://github.com/pressbooks/pressbooks 

Annotation von Blogs mit Hypothes.is

Falls ihr PressBooks zum Beispiel um Annotationsfunktionen erweitern möchtet, könnt ihr das “Pressbooks Textbook” noch zusätzlich installieren:

https://wordpress.org/plugins/pressbooks-textbook/

Für alle anderen, die gerne ihren Blog annotieren lassen möchten, denen sei “Hypothesis” empfohlen (nicht zu verwechseln mit Hypotheses, die das Plugin mittlerweile auch integriert haben):

https://wordpress.org/plugins/hypothesis/

DOI und Archivierung mit “The Winnower Publisher”

Viele Akteure arbeiten daran Wissenschaft weiter zu öffnen. Wenn nun aber jeder irgendwo bloggt, wo kann man dann die besonderen Artikel finden, diskutieren und archivieren, ohne dabei gleich komplett auf eine andere Plattform zu setzen? “The Winnover” erlaubt beides: im eigenen Blog zu schreiben und zugleich in ihrem Journal zu publizieren:

https://thewinnower.com/posts/a-more-open-world-of-science

Als Plugin bieten Sie dafür den Winnover-Publisher an, bei dem neue Blogartikel automatisch in das Journal kopiert werden:

https://wordpress.org/plugins/the-winnower-publisher/

OpenJournalSystem Integration

Das OpenJournal-System (OJS) ist wiederum ein Content-Management-System, das jeder selbst auf seinen Server installieren kann. Anders als WordPress ist OJS wirklich auf wissenschaftliche Publikationen optimiert. Beide Tools lassen sich aber scheinbar verknüpfen, wie Christian Heise vor ein paar Jahren berichtete. Leider bin ich nicht dazu gekommen, dieses Plugin zu testen.

https://hybridpublishing.org/2014/03/open-journal-system-ojs-integration-in-wordpress-via-plugin/

Versionierung mit WP-Github-Commits & VersionPress

Besonders fasziniert hat mich der Schreib-Workflow von Christian Heise für seine Promotion. Er schrieb diese als offene Doktorarbeit im Versionierungstool GitHub und nutzte Authorea zur Darstellung der Arbeit. Beim Schreiben scheint wohl Authorea eher auf kürzere Papers ausgelegt zu sein, als auf längere Dissertationen, darum schreibt er das Latex-Dokument nun direkt in Github rein.

Git ist eigentlich ein Versionierungssoftware, mit der man sehr gut kollaborativ Quellcode schreiben kann, beispielsweise für das offene und freie Betriebssystem Linux. Es eignet sich aber auch für jegliche Art von Text, wenn man alle Entstehungsversionen und Varianten dokumentieren möchte.

Noch gibt es leider keinen vergleichbaren Workflow für WordPress, zumindest kenne ich momentan nur VersionPress, dass die komplette WordPress-Installation an Github anbindet. Das Plugin scheint aber noch in der Entwicklung zu sein und ist vermutlich eher für Entwickler als für Forscher gedacht:

http://versionpress.net

Einfach schöner Bloggen: CreativeCommons-Bilder hinzufügen

Wissenschaftlern fällt es leicht Textwüsten zu produzieren. Diese lassen sich mit Bildern auflockern. Immer ein passendes Bild mit freier Lizenz findet man mit WP-Inject.

Vorher-Nachher-Schiebe-Bildchen

Gerade für HistorikerInnen könnten diese Plugins interessiert sein: mit einem Schieberegler könnt ihr Früher/Später-Effekte erzeugen. Die Plugins heißen Juxtapose oder TwentyTwenty.

https://github.com/fcingolani/wordpress-juxtapose

https://de.wordpress.org/plugins/twentytwenty/

Links automatisch archivieren und verfügbar halten mit Amber

Wer seine eigenen Links regelmäßig überprüft, stellt fest, wieviele davon schon nach kurzer Zeit nicht mehr funktionieren. Wen das stört und wer etwas zum InternetArchive.org beitragen möchte, der kann sich Umber installieren. Umber speichert für jeden Link im eigenen Blog eine Kopie, so dass Links immer noch auf eine Archivversion führen können:

http://www.hyperorg.com/blogger/2016/01/28/keep-the-web-unbroken-with-amber/

Die WordPress-Werkzeugkiste für WissenschaftsbloggerInnen

Wer hier noch nicht genug bekommen hat, der kann sich noch das “Academic Bloggers Toolkit” installieren, dort gibt es ein ganzes Kaleidoskop an mehr oder weniger praktischen Funktionen für Wissenschaftsblogger.

Ich denke diesmal reicht es mit den Tipps. Bis zum nächsten Mal!

Neue Workflows: vom Lesen und Schreiben unter digitalen Bedingungen

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Commodore C64
Commodore C64
Commodore C64
Commodore C64 – meine erste digitale Tastatur.

Johannes schrieb drüben bei 1ppm.de darüber, wie er Content konsumiert. Ich hatte schon vor einigen Jahren schon mal einen Artikel angelegt, der lange Zeit in den Entwürfen lag und nur darauf wartete publiziert zu werden. Jetzt klopft der IronBlogger-Bot und statt 5€ in die gemeinsame Kasse zu zahlen, lasse ich mich lieber so dazu zwingen, diesen Artikel bzw. diese Auflistung nun endlich zu publizieren, wenn sie vermutlich auch niemals fertig sein wird und sich ständig verändert. So sieht also ganz grob mein Workflow aus, mit dem ich Inhalte aggregiere, kuratiere und dann in den verschiedenen Kanälen publiziere.

stARTcamp Köln-Bonn 2016 in der Bundeskunsthalle: Alles Gute!

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Bundeskunsthalle Alles Gute
Bundeskunsthalle Alles Gute

img_5318Das stARTcamp Köln-Bonn ist ein Barcamp für Kunst und Kulturinteressierte, mit einem Sahnhäubchen aus Internetaffinitität. Wie bei Barcamps üblich, stellen sich alle vor, werden die Sessions gemeinsam geplant und dann geht es los. Das stARTcamp am 19.11.2016 in der Bundeskunsthalle war für mich dieses Jahr aber auch ein ganz besonderes.

  • Die Organisation und Vorbereitung war sehr entspannt, was vielleicht daran liegt, dass Johannes Mirus (mein lieber Kollege bei Bonn.digital) und Jutta Frings (Chefin für Kommunikation und Digitale Transformation in der Bundeskunsthalle) die meiste Arbeit erledigt hatten. Am Tag des stARTcamps selbst lief alles wie am Schnürchen (bzw. es war eh nicht mehr aufzuhalten) und ich war so entspannt, dass ich selbst an Sessions teilnehmen konnte. Vielleicht bekommt man aber auch etwas Übung im Barcamp-Organisieren.
  •  Die Stimmung war schon bei der Vorstellungsrunde zwischendurch ganz ausgelassen; es fühlte sich etwas mehr wie die Ankunft in der Jugendherberge an, denn wie eine hochseriöse (und hochlangweilige) Konferenztruppe. Besondere Oh! und Ah! gab es, als festgestellt wurde, dass die Mehrheit der TeilnehmerInnen zum ersten Mal ein Barcamp besuchten (nach der Feedback-Runde zu urteilen, waren sie es nicht zum letzten Mal).
  • Die entspannte Stimmung allein hätte aber nicht gereicht, um das stARTcamp für mich zu einer runden Sache zu machen: es braucht Inhalte, Diskussion, Erfahrungsaustausch, damit man Abends nach Hause geht und sagt: ich habe was gelernt. Und ja, ich habe extrem viel mitgenommen aus diesem Tag und wie Barcamps es so verlangen, werde ich über diese Inhalte auch gerne was schreiben.
stARTcamp 2016: Sessionplan
stARTcamp 2016: Sessionplan

1. stARTcamp-Session: 360°-Fotos und Videos in Google MyBusiness

Marcus Mitter und Koreferent Hakan Cengiz zeigten uns, die Möglichkeiten bei Google MyBusiness Unternehmen, Ausstellungen und andere Orte kostenlos in der Google-Suche hervorzuheben. Als Beispiel diente die 360°-Innenansicht des atelier114 in Bonn, die nicht mal eine eigene Website haben, aber so trotzdem gefunden werden können. Die 360°-Fotografie gibt so vorher Einblick in Hotels, Ausstellungen (auch vergangene) und Geschäfte und verlockt so hoffentlich zu einem Besuch.

In der Session haben mich drei 360°-Geschichten aus Bonn besonders beeindruckt, weil ich sie bisher noch gar nicht wahrgenommen hatte:

Mich hätte noch sehr interessiert, ob das Equipment mittlerweile erschwinglich geworden ist, um selbst solche Fotos anzufertigen. Aber scheinbar braucht man für die Streetview-Touren innerhalb von Gebäuden noch einen Profi, den man für Google hier finden kann: https://www.google.de/intl/de/streetview/hire/

2. Calliope mini – der Lern- und Bastelcomputer für die Grundschule

Am liebsten würde ich bei Calliope mini vor Begeisterung nur noch die Finger wild in die Tastatur hauen. Aber fangen wir mal vorne an: Maxim Loick bietet in Bonn schon seit einige Zeit CoderDojos für Kids an: dort lernen sie mit Technik umzugehen, zu basteln, zu experimentieren und lernen so auch die Grenzen relativ angstfrei und ohne erhobenen Zeigefinger (“Das Internet ist böse”) kennen.

Maxim hat seine Erfahrungen in das Team um Calliope mini eingebracht und es damit nun bis zur Bundeskanzlerin, den IT-Gipfel, in die Tagesschau, aber am allerwichtigsten (!) über das Bildungssystem in die Schulklassen und so in die Hände der Kinder geschafft, inkl. Open-Source-Lernmaterialien und Finanzierung und Unterstützung durch Partner wie Google, Microsoft und anderen Namen, von denen Startups träumen.

Calliope versteht man leider erst dann in vollem Umfang, wenn man es selbst in der Hand gehalten, in den USB-Port des Rechners eingesteckt und dann sein erstes kleines Programm geschrieben hat. Wenn selbst Erwachsene wieder zu Kindern werden, um mit Calliope lustige Sachen zu bauen, die LEDs in Bonn-Farben leuchten zu lassen, die Beethoven-Melodie zu piepsen, oder einfach seiner Fantasie an den Schnittstellen und Output-Möglichkeiten freien Lauf zu geben. Nächstes Jahr dürfen auch wir wieder zu Kindern werden und Calliope mini in den Händen halten.

Verliebt in Calliope 😍#sckb16

A post shared by Sascha Foerster (@sascha_foerster) on

Die Session habe ich vor lauter Begeisterung auch gleich (in schlechter Qualität) mit Periscope aufgezeichnet: https://www.periscope.tv/w/1vAGRXWrALYxl

3. Bonn.wiki oder: Wie konzipiert man überhaupt ein Wiki?

Als am Ende der Sessionplanung noch ein Feld frei blieb, hatte ich noch eine Frage im Hinterkopf: Wie könnten Kunst und Kultur in Bonn das Bonn.wiki annehmen und interessant finden? Ich bot es ganz vorsichtig als Frage formuliert an und Dörte Böhner (@Bibliothekarin) nahm den Ball auf, da sie bereits in die Konzeption und den Aufbau von organisationsinternen Wikis involviert war. Genau so muss das sein! Es muss bei einem Barcamp reichen eine Frage zu stellen, um dann jemanden zu finden, der die Session leitet.

Dörte fragte also ab, was die Ziele das Bonn.wiki’s sein sollen und welche Zielgruppen es gibt. Die wichtigste und aufschlussreichste Frage war für mich aber: Wie schaffe ich es, dass sich die Nutzer des Wikis wohlfühlen? Und dabei kam dann raus, dass es klar sein muss, was mit den Inhalten passiert, es darf keine Willkür geben, es muss einfach zu benutzen sein und Erklärvideos bzw. Screenshots geben und es soll das Gefühl vermittelt werden, dass man nichts kaputt machen kann.

Als Beispiele für gut laufende Regional-Wikis zeigte ich am Ende noch das AW-Wiki aus Ahrweiler. Auf die Idee das Thema anzubieten, kam ich morgens auf dem Weg zum stARTcamp, als ich den Podcast “Forschergeist” mit Tim Pritlove und Pavel Richter zu freiem Wissen und OpenData hörte. Scheinbar sind Regionalwikis auch für die Wikipedia interessant, da sie Nutzer noch einfacher abholen können und auch für Artikel da sind, die nur lokale Relevanz haben. Ich würde mich also über Unterstützer für das Bonn.wiki freuen und setze das gelernte so schnell wie möglich um.

4. Eine App ist keine Strategie.

Diese Session war auf eine etwas unerwartete Art lehrreich. Viele Agenturen stossen auf das Problem, dass Kunden sagen: “Wir möchten eine App, können Sie das Konzept erstellen?” Denn dann passiert, was passieren muss: Murks. Man fragt sich, wer die Zielgruppe für die App sein könnte, erstellt Personas für die App, um sich dann am Ende des Prozesses zu fragen: “Was ist überhaupt mein Ziel mit dieser App?”. Denn an der Stelle könnte man feststellen, dass “App” überhaupt gar nicht die Antwort auf die Frage ist. Vielleicht war die Frage: “Wie bekomme ich mehr Besucher ins Theater?” Und die Antwort hätte möglicherweise gelautet “mit einer responsiven Website und integriertem Ticket-Shop”. Am Ende steht also eine App, die kein Mensch benutzt und die somit auch keinen Nutzen hat. Also liebe Auftraggeber, formuliert lieber Ziele und entscheidet erst am Ende über die Kanäle.

5. #MannequinChallenge

Wenn die Herbergsmütter an Board sind, dann passieren auch mal außergewöhnliche Dinge. Als Wibke Ladwig die Idee der #MannequinChallenge vortrug und wir fragten, wer denn Interesse an dieser Session habe, gingen alle, wirklich ALLE Hände hoch. Wir blockten also kurzerhand den gesamten letzten Sessionblock für die Aktion, so dass auch alle mitmachen konnten.

Wir bereiteten zuerst einmal kreative Ideen vor und gingen danach in die Ausstellung “TouchDown21“,  mit und über Menschen mit Down-Syndrom. Dort frohren wir ein, während Wibke mit der Handykamera zwischen uns durch lief. Das Ergebnis sieht einfach nur cool aus.

Das Making of des Videos gibt es auch noch mal als 360°-Video bei Hakan Cengiz.

Abschlussrunde

Tja, was bleibt einem da sonst noch übrig, als “Alles Gute” zu wünschen und zu hoffen, dass wir uns bald wieder zu einem Barcamp sehen. Schaut doch mal bei Bonn.camp rein, da gibt es die aktuelle Liste der Barcamps in Bonn. Dann wird aus der Abschlussrunde bald wieder die nächste Vorstellungsrunde!

Vorstellungsrunde beim stARTcamp 2016 in der Bundeskunsthalle
Vorstellungsrunde beim stARTcamp 2016 in der Bundeskunsthalle

Überblick über Startup- und Forschungsförderung in Deutschland. Oder: Wenn Staatsminister twittern.

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Bei zahlreichen Social-Media-Workshops habe ich schon von Wissenschaftlern gehört: “Da kann ja jeder schreiben.” Darum wollte ich noch mal eine kleine Geschichte loswerden, warum das so toll ist: Weil man dann zum Beispiel aus erster Hand erfahren kann, welche Programme zur Förderung und Finanzierung von Startups im Umfeld der Wissenschaft existieren. 

Die Geschichte begann mit einem Retweet, der es in meine Timeline geschafft hat.

Ich hatte nur am Rande verfolgt, dass deutsche Startups es nicht so leicht haben, Investoren zu finden, auch wenn ich zugeben muss, dass ich die genauen Konsequenzen dieser Gesetzesänderungen nicht verstehe. Ich wäre aber dankbar über Erklärungen in den Kommentaren! Die juristischen Hintergründe gibt es beim Bundesfinanzministerium. Jedenfalls freut sich der Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Georg Schütte:

Kurz bevor ich mit Johannes die Bonn.digital GbR gegründet hatte, war ich auch auf der Suche nach Möglichkeiten zur Förderung unserer Selbstständigkeit gewesen. Leider hatten wir die Firma schon gegründet und so habe ich in der Gründer-Erstberatung durch Rüdiger Wolfs an der Uni Bonn erfahren, dass man das EXIST-Gründerstipendium noch vor der Firmengründung aus der Universität Bonn heraus beantragen muss.

Da unsere Gründung nun ein Jahr vorüber ist und das Thema Startups ja scheinbar wichtig ist, war ich neugierig zu erfahren, ob in der Zwischenzeit neue Förderprogramme existierten, bzw. ob es eine Übersicht gibt:

Und so bekam ich netterweise einen Hinweis per Direktnachricht, dass man mir etwas später antworten würde. Irgendwann verfolgte ich, wie Georg Schütte wohl aus einem Flieger in die USA mir die folgende Email schickte:

Sehr geehrter Herr Foerster,

vielen Dank für Ihre Frage zu Förderungsmöglichkeiten für Start-ups durch die Bundesregierung. Es ist tatsächlich so, dass wir deutlich mehr Start-ups brauchen, um unsere Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern und um die vielen sehr guten Forschungsergebnisse in Deutschland auch in innovative Produkte und Dienstleistungen zu überführen.

Daher gibt es von Seiten der Bundesregierung eine Reihe von Förderprogrammen, die jeweils an unterschiedlichen Entwicklungsstadien ansetzen – von der Grundlagenforschung über die angewandte Forschung bis hin zur Unternehmensgründung (Start-up) sowie zur Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU).

Im Bereich Start-up gibt es beispielsweise das EXIST-Förderprogramm, das Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierende aktiv beim Transfer von Forschungsergebnissen und bei Gründungsvorhaben unterstützt: http://www.exist.de

Für das Thema Biotechnologie gibt es die Gründungsoffensive GO-Bio, die Forscherteams in den Lebenswissenschaften vor allem bei technisch anspruchsvollen Ideen auf dem Weg zur Unternehmensgründung unterstützt: http://biooekonomie.de/content/go-bio-gr%C3%BCndungsoffensive-biotechnologie

Zur Finanzierung von Start-ups gibt es etwa den von der Bundesregierung unterstützen High-Tech Gründerfonds, der in der Frühphase von Startups ansetzt und Risikokapital bereitstellt: http://high-tech-gruenderfonds.de

Auch die KfW-Bankengruppe fördert mit dem ERP-Startfonds die Bereitstellung von Beteiligungskapital in der Expansionsphase von kleinen Technologieunternehmen: https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Unternehmen/Gründen-Erweitern

Neben diesen und weiteren Förderprogrammen für Start-ups gibt es für den Bereich digitaler Innovationen den Gründerwettbewerb, bei dem IKT-Startups Preisgelder gewinnen können: http://www.gruenderwettbewerb.de/

Ich möchte Sie auch auf die Förderberatung „Forschung und Innovation“ des Bundes http://www.foerderinfo.bund.de/index.php und das Förderportal https://foerderportal.bund.de/ des Bundes hinweisen, bei der Sie sich über Förderbekanntmachungen und Fördermaßnahmen zu unterschiedlichen Themen- und Technologiebereichen informieren können. Die Förderberatung „Forschung und Innovation“ des Bundes berät Sie auch gerne unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 2623 009 oder per E-Mail beratung@foerderinfo.bund.de.

Ich hoffe dass ich Ihnen damit helfen konnte.

Mit freundlichen Grüßen
Georg Schütte

Dr. Georg Schütte
Staatssekretär/State Secretary
Bundesministerium für Bildung und Forschung/
Federal Ministry of Education and Research
53170 Bonn
Germany

Ich muss zugeben, ich war freudig überrascht, dass ich eine Antwort bekam. Und damit Herr Schütte diese Frage nicht noch mal beantworten braucht, ich gehe doch davon aus, dass seine Zeit knapp ist, teile ich diese gerne.

Am Ende kann man wohl nur sagen: twittert mehr, wenn ihr forschen und/oder gründen wollt! 😉

Berufsperspektiven als Geisteswissenschaftler im digitalen Zeitalter

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Der Bonner Journalist Benjamin O’Daniel hat mich im März 2015 für das Magazin des Bonner Wissenschaftsladens interviewt. Das Magazin habe ich zum ersten Mal Anfang 2013 gesehen, als ich gegen Ende des Geschichts- und Psychologie-Studiums auf Jobsuche ging. Zufällig gab es ein Angebot: 3 Ausgaben für 10€. Dort waren viele Stellenanzeigen aus den Kultur- und Geisteswissenschaften gesammelt. Ich suchte zuerst nach Stellen mit meiner Lieblingspostzahl 53***, bis ich dort tatsächlich im dritten Magazin die Stelle als Community Manager bei der Geschäftsstelle der Max Weber Stiftung in Bonn (doc) gefunden habe (und wegen des Erfolgs bei der Bewerbung auch das Abo nicht verlängern musste). Ich wusste nicht genau, was ein Community Manager so macht, aber als ich die Stellenanzeige überflogen hatte, verriet mir mein Herzklopfen, dass ich genau das machen wollte. Die Max Weber Stiftung, das sind 10 deutschen geisteswissenschaftlichen Institute, “weltweit vor Ort”, wurde mein Arbeitgeber für die letzten drei Jahre.

„Geisteswissenschaften, Blogs, Bonn – da passte einfach alles.“ (Link zum vollständigen Artikel von Benjamin o’Daniel)

Community Manager bei der Max Weber Stiftung

Seit April 2013 arbeitete ich bei der Max Weber Stiftung als Community Manager und in den letzten 3 Jahren konnte ich in einem tollen internationalen Team (in Paris, Marseille, Madrid und Bonn) meinen kleinen Beitrag dazu leisten, dass das Portal wächst und gedeiht. Zum Anfang habe ich mir einige Ziele gesetzt und diese in meinem ersten Blogartikel bei de.hypotheses kommuniziert: http://redaktionsblog.hypotheses.org/1167. Seit dem Start mit etwa 70 deutschsprachigen Wissenschaftsblogs vor drei Jahren gibt es nun fast 400 Blogs bei de.hypotheses.org, und rund 100 Social-Media-Kanäle in den Instituten der Max Weber Stiftung.

www_maxweberstiftung_de_fileadmin_user_upload_Magazin_Magazin_MWS_01_2015_web_pdf_und_Microsoft_Word
http://www.maxweberstiftung.de/fileadmin/user_upload/Magazin/Magazin_MWS_01_2015_web.pdf (Seite 26-27).

Das Community-Management-Team hat per Mail, Chat, Hangout, Telefon und im persönlichen Austausch über Grenzen hinweg vernetzte Arbeit geleistet und dabei viel Freude bei der Arbeit gehabt, die alle mit viel Idealismus verfolgten, weil es die Forschung wert ist. Diese Arbeit hat sich fast nie wie Arbeit angefühlt, denn sie war von großer innerer Motivation und Kooperation im Team geprägt. Es ist natürlich eine Freude zu sehen, dass das Angebot des Blogportals so gut in der wissenschaftlichen Community angenommen wurde und wöchentlich mehrere neue Blogs eröffnet werden und ich wünsche mir sehr, dass sich das wissenschaftliche Bloggen weiter etabliert.

Zukunft des Bloggens und der Wissenschaft

Ich sehe aus diesen Erfahrungen auch für das Bloggen im Allgemeinen weiter eine gute Zukunft. Es geht ja nicht mehr nur um Internet-Tagebücher mit Katzenbildern, sondern um das Versprechen einfach und selbstständig im Netz publizieren zu können. Das funktioniert auch schon sehr gut, die Blogs sind ja “inhaltsagnostisch” (wie Manfred Thaller bei einer Digital-Humanities-Konferenz sagte). Also kann man dort neben Katzenbildern auch hochwissenschaftliche Erkenntnisse publizieren, der Sekretär genau so wie die Forscherin.

Wo liegt dann aber das Problem? Im Artikel von Benjamin o’Daniel werde ich so zitiert:

„Letztlich muss das wissenschaftliche Reputations- und Bewertungssystem verändert werden. Es kann nicht sein, dass man für eine Veröffentlichung in einer teuren, aber nicht verfügbaren Fachpublikation Anerkennung erhält – die Artikel dort aber viel weniger als im Blog wahrgenommen werden können. Die Öffentlichkeit nimmt daran nicht teil. Wenn man umgekehrt im Netz seine Arbeiten digital veröffentlicht, wird man schnell als Blogger herabgewürdigt und nicht als publizierender Forscher anerkannt.“

Bloggen alleine reicht also noch nicht für die wissenschaftliche Karriere. Man muss trotzdem für die Anerkennung dieses Mediums weiter kämpfen, und das in einem Umfeld, dass oft noch sehr skeptisch und mit Vorurteilen bezüglich des Internets und digitaler Weiterentwicklungen der Forschung und ihrer Methoden behaftet ist.

Hürdenlauf Forschungsfinanzierung

Das direkt mit der Reputation verbundene Problem ist das der Forschungsfinanzierung, die immer mehr aus befristeten Drittmitteln besteht, selbst wenn es um dauerhaft zu erhaltende Forschungsinfrastrukturen geht. Wenn niemand den Strom für die Festplatten bezahlt, wenn niemand die Informatiker für Software-Updates bezahlt und niemand ein Community Management für den Aufbau, Aktivierung und Kommunikation mit den Nutzern dauerhaft und nachhaltig bezahlen kann, dann sind solche Infrastruktur-Projekte ständig in Gefahr. Andererseits: die Geldgeber wollen auch keine “toten Pferde” reiten, die bis in die Unendlichkeit wachsen und weiterlaufen, aber niemals einen echten Nutzer sehen, auch davon gibt es genug abschreckende Beispiele. Insofern scheint es für sie vernünftig zu sein durch Projektförderung Bruchlinien einzufügen. Für den Nachwuchs ist es ein ewiger Hürdenlauf.

Ich bin im Laufe meines Studien- und Berufslebens nun über einige dieser Bruchlinien gesprungen. Es waren 22 Arbeitsverträge, die ich in den letzten 8 Jahren als Student und Absolvent unterschrieben habe, denn sie waren bisher alle befristet, der kürzeste war 3 Monate. Mein letzter Projektvertrag (50%, TVöD 13) bei der Max Weber Stiftung war auf zwei Jahre begrenzt und ich hatte das Glück, dass er noch zweimal um einige Monate verlängert wurde, so lange es eben irgendwie ging. An der Universität Bonn habe ich mich zuletzt mit Kurzzeitverträgen als wissenschaftliche Hilfskraft, dem Crowdfunding (12 Monate), dem DARIAHde-Fellowship (6 Monate, 50% TVL E13) und zuletzt mit einer 4 1/2-monatigen Stelle (33% TVL E13) nicht nur über Wasser halten können, sondern im Vergleich zu vielen anderen Doktoranden vergleichweise noch gut verdient (oft bekommen sie nur eine 50%-Stelle müssen aber voll für den Lehrstuhl arbeiten). Manche gratulierten mir zu diesem Glück, dass ich insgesamt eine volle E13-Stelle hatte und tatsächlich habe ich ein schlechtes Gewissen über die Situation an den Universitäten zu jammern, wenn ich so gesehen schon zu den Gewinnern gehörte. Aber kann es sein, dass man mit 30 Jahren und nach zwei abgeschlossenen Studiengängen in der Wissenschaft nur befristete Kleinst- oder Projektverträge bekommt? Vielleicht ja, ich bin lange Zeit bereit gewesen das zu akzeptieren, vielleicht hätte ich auch noch 10 Jahre so weiter gemacht, bis zur Promotion und dann muss man als promovierter Nachwuchswissenschaftler (!) ja auf eine Juniorprofessur hoffen, bis man irgendwann Mitte 40 endlich ein richtige Nachwuchsstelle als Wissenschaftler bekommen hat, denn bis dahin ist man für nichts anderes mehr zu gebrauchen. Alternativ stünde mir nach der Promotion eine Karriere im Wissenschaftsmanagement offen, wohlgemerkt, nach der Promotion und einer weiteren kostspieligen Zusatzausbildung, so lautete ein Rat an mich. Mehrverdienst nach den Strapazen: 200€ im Monat, aber immerhin eine Chance auf eine unbefristete Stelle in der Wissenschaftsverwaltung, einem Bereich in der Forschung mit Zukunft, Projekte müssen ja verwaltet werden. Für Geld macht man es also nicht. Für Sicherheit aber auch nicht, denn:

“Projektgelder sind Projektgelder sind Projektgelder.” (Henning Krause)

Und Projekte gehen nun mal zu Ende. Und so kommt es, dass Ende des letzten Jahres beide Projekte endeten, mangels Nachfolgefinanzierung. Beide Arbeitgeber und alle Kollegen haben sich Mühe gegeben weitere Projektanträge an Land zu ziehen um die Drittmittelmaschine am Laufen zu halten. Aber manchmal dauert ein Antrag eben länger als erwartet oder die Vorbereitung verbraucht die gesamte Anschubfinanzierung. Das Ergebnis dieser Anträge steht erst fest, wenn meine Stelle schon abgelaufen ist. Alternativfinanzierungen: Fehlanzeige. Zukunftsperspektiven: null. Sicherheit: keine. Hoffnung? Dass ein Antrag bis Ende des Jahres doch überraschenderweise erfolgreich wird, während man sich durch die Finanzierungslücke mit Sozialhilfe rettet und weiter promoviert? Das war keine Alternative, da ich Ende letzten Jahres wusste, dass ich Vater werde und Verantwortung übernehmen muss.

Verantwortung und Entscheidungen

Angesichts dieser Umstände habe ich mich entschieden, selbst eine klare Entscheidung zu fällen und nicht mehr weiter in der Wissenschaft zu arbeiten. Meine Promotionsprojekt, an dem ich mit viel Herzblut hänge, werde ich nebenberuflich fortsetzen, sobald ich wieder eigenmotiviert bin und etwas mehr Zeit habe, vielleicht ist es aber auch einfach ein Abbruch, wenn ich ehrlich zu mir bin. Wenn ich in der Forschung nur noch dazu komme Formulare auszufüllen um neue Formulare mit Anträgen auszufüllen, erschließt sich mir der Sinn nicht mehr, warum ich in der Forschung arbeiten soll. Besonders deutlich wurde mir der Unterschied durch das Crowdfunding-Jahr: ein Jahr Forschung mit quasi 5 Sekunden Verwaltungsaufwand: die Überweisungen auf mein Konto. Die Kommunikation vorher verbuche ich auch als Forschung, zumindest als Forschungskommunikation, mit der ich das Thema und das Wissen um das Thema einer Öffentlichkeit zugänglich mache. Ich gründete also mit Johannes Mirus meine eigene Firma: Bonn.digital. Die Selbstständigkeit gibt mir jetzt größere Sicherheit als die Arbeit im öffentlichen Dienst. Verkehrte Zeiten, könnte man denken.

Wo sind heute die Orte, an denen Wissen offen ausgetauscht wird und Innovation entstehen kann? ich habe viele Abende in Meetups und Stammtischen in Bonn verbracht: Socialbar, Webmontag, Social Media Chat, Wissenschafts-Online-Kommunikation, BarCamps, Coworking-Spaces, DigitalHubs usw. Die Chancen der digitalen und analogen Netzwerke, der Wissensaustausch auf Augenhöhe und die Inspiration für neue Ideen durch unerwarteten Kontakt mit fremden Bereichen, dass habe ich offen gesagt dort häufiger erlebt als in vielen Universitäts-Seminaren. Dort ging es vielen nur mehr um Credit-Points, Prüfungen, Abschlüsse: Papiere, die etwas bescheinigen. Und auch die Karrierewelt nach dem Studium an der Universität wurde zum einem “Game of Forms”, einem Spiel der Formulare. Wobei ich immer auch auf freidenkende Menschen mit offenen Ohren gestossen bin, die aber selbst auch nichts an der Situation ändern konnten.

Nun gut, es war nicht alles negativ, auch wenn ich verständlicherweise traurig und etwas frustriert von der Situation bin. Ich habe bei der Max Weber Stiftung einen Beruf kennen gelernt, den ich nicht als Arbeit empfinde, sondern der mir viel Freude macht und so enorm viel Lebensqualität gewonnen. Ich habe viel on-the-job gelernt und vor allem viele interessante Menschen und ihre Themen durch die Blogs und ganz oft auch persönlich bei Konferenzen oder anderen Gelegenheiten kennen gelernt. Ich hatte sehr viele Freiheiten und großes Vertrauen geschenkt bekommen. Ein Team, dass durch dick und dünn ging und das ich vermissen werde. Eine Community, die mich oft zum Lachen brachte, seltener zum Weinen.

Meinen Job als Community Manager für de.hypotheses.org ist nun beendet. Meine Berufung “Community Mangement” habe ich durch die Max Weber Stiftung gefunden. Hypotheses selbst wird weiter wachsen, das Team um OpenEdition und dem DHI Paris in Frankreich arbeitet hart und mit Leidenschaft daran, dem Vertrauen der Blogger so gerecht wie nur möglich zu werden. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass die Max Weber Stiftung den Bedarf an Community Management sieht und dringend Lösungen sucht, wie sie ihn finanzieren kann. Ich selbst bleibe auch Teil der Community mit dem Nachkriegskinder-Blog und den vielen Projekten und Ideen in der Community, wie EDIT und HistoCamp.

Nun: es kommt viel Neues. Ich bin seit Anfang des Jahres mit Johannes Mirus in unserer gemeinsamen Firma Bonn.digital selbstständig; ich bin am 1. April 2016 Vater ein wundersüßen Tochter geworden und  habe noch viele Ideen, wie die Digitalisierung noch weitere Lebensbereiche verbessern kann, vor allem im Lokalen.

Darum: Ich möchte mich herzlich für das Vertrauen bedanken, dass ihr mir als Community Manager entgegen gebracht habt, für die schönen Jahre bei der Max Weber Stiftung und in Zusammenarbeit mit dem DHI Paris und OpenEdition in Marseille. Einfach Danke! Und auch der Wissenschaft will ich nicht einfach so Adieu sagen, denn die Neugier in mir wird immer wach bleiben, mit oder ohne Titel.

re:publica 2016. Oder: Wenn Bonn sich in Berlin trifft

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re:publica 2016
re:publica 2016
re:publica 2016
re:publica 2016

Menschen, die irgendwas mit Internet machen, treffen sich einmal im Jahr beim Klassentreffen in Berlin, um sich auszutauschen und vor allem nach vorne zu blicken. Wohin entwickelt sich die digitale Gesellschaft? Ich erhoffte mir Inspirationen und Anregungen, aber irgendwie hat es dieses Jahr nicht so richtig gefluppt.

VGWort und Blogs: Tantiemen für Wissenschaftliches Publizieren (Teil 3)

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VGWort: Suche in eigenen Zählmarken

In Teil 1 und Teil 2 habe ich beschrieben, wie man für wissenschaftliche Publikationen etwas Geld von der VGWort bekommen kann. Beim Print-Produkt, besonders der Einzelmonographie lohnte sich der Aufwand, beim Online-Text ist der Aufwand so hoch, dass es sich für die meisten Wissenschaftsblogger kaum lohnt. Im dritten Teil möchte ich beschreiben, wie man Online-Texte nach erfolgreicher Zählung nun melden kann und damit zeigen, welch hohen Aufwand Wissenschaftsblogger für die wenigen Online-Tantiemen betreiben müssten.

BarCamp Bonn – das Zweite #bcbn16

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Gestern fand das zweite BarCamp Bonn statt. Über 170 Menschen kamen ins Forum Internationale Wissenschaft, um sich zu vernetzen, Ideen vorzustellen, Feedback zu bekommen, Wissen weiterzugeben oder einfach weil sie neugierig waren. Karin, Johannes und ich haben das BarCamp Bonn jetzt zum zweiten Mal organisiert. Aber ein BarCamp wäre ein leerer Sessionplan, wenn da nicht die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wären. Es bleibt bis zur Sessionplanung auch für uns immer eine Überraschung: Werden dieses Jahr die Themen interessant sein? Werden sich genug Sessions finden? Oder vielleicht auch: Haben wir genug Räume für alle da?