Bei wenigen anderen Konferenzen erlebe ich soviel Inspiration und Vernetzung wie bei BarCamps. Darum war es klar, dass ich am 7. und 8. August beim BarCamp Koblenz teilnehmen wollte. Hervorragend organisiert wurde es von Sascha Böhr und Björn Schumacher (247Grad), Christoph Krause (Handwerkskammer Koblenz) und Lars Wienand (Rheinzeitung) als auch den weiteren Partnern und Sponsoren GLSBank und camaze, dem Helferteam und allen TeilnehmerInnen, denen mein Dank zum gelingen der Veranstaltung gehört. Es folgt nun eine Zusammenfassung aus Tweets, Instagrams und meinen textuellen Erinnerungsfetzen dazwischen.

Mit einer kleinen Bonner Truppe bestehend aus Johannes Mirus und Marcel Pinger ging es Freitag früh auf nach Koblenz.

Nach der freundlichen Begrüßung am Eingang zogen wir an der Kaffeemaschine vorbei in den Kantinenraum. Wie bei BarCamps üblich gibt es zuerst eine Vorstellungsrunde und danach geht es in die gemeinsame Sessionplanung.

Leider konnte man durch die Stufen nicht jeden bei der Vorstellung und Planung sehen, aber man hatte ja zwei Tage Zeit und Gelegenheit sich kennen zu lernen. Auch ohne zu Hetzen kam ich in die Gelegenheit am ersten Tag in der ersten Session BonnerBlogs.de vorzustellen. Schön war auch, dass es einen hohen Anteil von Teilnehmern gab, die zum ersten Mal ein BarCamp besuchten. Thema des BarCamps Koblenz war “Digitale Kommunikation”.

Session: Bonner Blogs

Mittlerweile gibt es im Aggregator 640 Bonner Blogs und es hat Spaß gemacht in den erstaunten Gesichtern zu sehen, dass eine kleine Stadt doch eine so aktive Bloggerszene vorzuweisen hat. Nach der Vorstellung wurde dann auch diskutiert, wie und ob man dieses Modell in anderen Städten zum Community Building einsetzen kann. Mit etwas Glück gibt es dann demnächst auch in Koblenz, Bochum und in anderen Städten neue Aggregatoren. Ich helfe auch gerne beim Nachbauen.

https://twitter.com/jkorten/status/629588121223606272

WordPress-Sicherheit

Eine WordPress-Installation bleibt nicht einfach so sicher, man muss etwas dafür tun. Was zu tun ist, zeigte uns Marc Nilius von wp-sicherheit.info. Es gibt für Geschäftsleute sogar eine gesetzliche Pflicht dafür zu Sorgen, dass das eigene Content-Management-System anderen keinen Schaden zufügt, gegebenenfalls kann Schadensersatz fällig werden. Die Basics waren mir schon mal klar, denn ich achte auf Updates, sichere Passwörter und aktuelle und wenige installierte Plugins und Themes. Spannend wäre der Praxistest gewesen, der leider erst am nächsten Tag angeboten wurde. Also hier noch mal die Zusammenfassung der Session:

  • Updates und Backups machen (nicht alleine auf Hoster verlassen, auch noch mal woanders speichern)
  • Plugins und Themes aus sicheren Quellen installieren (z.B. WordPress.org): aktuell, gut bewertet, oft installiert und auch hier: regelmäßig die Updates einspielen. Häufig genutzte, freie Themes können sicherer sein, als selten gekaufte kommerzielle Multi-Purpose-Themes.
  • sichere und starke Passwörter wählen
  • nicht den Benutzername „admin“ behalten
  • Administrator und Redakteurs-Account trennen, selbst wenn es nur einen Autoren gibt. Nur mit dem Redakteurs-Account publizieren.
  • Als Anfänger: Sicherheitsplugins installieren, z.B. WordFence oder iThemes Security

Snapchat: Wie funktioniert das eigentlich?

Nach der Mittagspause ging es in einer Diskussionsrunde um das Thema Snapchat. Die Teilnehmer diskutierten Sinn und Unsinn des Dienstes und als am Ende noch etwas Zeit übrig blieb, ließ ich es mir nicht nehmen noch eine kleine Praxisdemo für diejenigen zu machen, die Snapchat noch nicht installiert oder genutzt haben, um zu zeigen, wie viel Spaß es machen kann. In der Diskussion sprachen wir über Jugendliche, die sich eher in geschlossene Netzwerke zurückziehen und passiv im offenen Netz bleiben, dabei, sehr sensibel mit dem Thema Datenschutz umgehen und doch möglicherweise vergessen, welche anderen “Angriffsvektoren” es gibt, beispielsweise staatliche Überwachung, vor der man auch bei Snapchat nicht geschützt ist. Selbst wenn Snapchat in den AGBs angibt, alle Daten nach kurzer Zeit zu löschen, bleibt doch ein mulmiges Gefühl. Die Chancen des Dienstes wurden aber auch angesprochen, manche erzählten auch, dass Snapchat Discover für Nachrichten-Magazine eine unterhaltsame Art der Vermittlung sein kann, besonders bei jüngeren Zielgruppen.

Tweetups: Do’s and don’ts.

Johannes Mirus sprach in der nächsten Session über Tweetups. Das sind Treffen von Menschen, die twittern, meist zu einem besonderen Anlass, beispielsweise einer Ausstellungseröffnung. Dabei kann vieles schief gehen, von der Vorbereitung über die Durchführung bis zur Nachbereitung. Mit dem PDF von Johannes ist man aber für jedes Tweetup gerüstet.

http://jmirus.de/downloads/tweetups.pdf

Social Media Monitoring

Stefan Evertz erklärte uns, was Social Media Monitoring eigentlich ausmacht. Dazu gehören Ziele, eine Strategie, Content und Kanäle. Es fiel auch der knackige Satz: “Facebook ist keine Strategie, 10.000 Follower sind kein Ziel.“ Danach folgte eine lange Liste von Tools, bei dem bestimmt für jeden etwas Neues zum Ausprobieren dabei ist:

Fun with functional Programming

Zur letzten Session am Freitag kam ich leider etwas zu spät. Es war sehr codelastig, ich schaffte noch gerade so die ersten drei Programmieraufgaben nachzuschreiben, danach häuften sich die Fehlermeldungen und ich stieg irgendwann mental nach einem langen Tag voller Sessions aus. Was ELM so besonders macht, weiß ich jetzt auch nicht, aber vielleicht ist es auch gar nicht so wichtig.

Samstag: Tag 2 des BarCamps Koblenz

Die Teilnehmerzahl hat sich schon etwas reduziert, aber es gab trotzdem viele gute Sessions. Es begann direkt auf dem Hof mit dem Start einer Drohne für das Gruppenfoto.

Ich habe die Session via Periscope live übertragen und dafür eine Menge “Like-Herzchen” geerntet. 15 Minuten Video via LTE haben ca. 77MB meines Datenvolumens verbraucht. Das war der Drohnen-Spaß wert, denn es gab viele Fragen via Periscope, die ich der Flugkapitänin direkt stellen konnte. Jennifer erklärte auch die komplizierte rechtliche Lage beim Drohnenflug, die je Bundesland anders, aber immer sehr kompliziert ist. Jeder Flug muss genehmigt werden.

Die Pressemitteilung ist tot.

Beim Suchen nach Bonner Blogs ist mir immer wieder aufgefallen, wie viele Firmen und Organisation auf Ihrer Webseite einen Bereich “Presse” haben, der oft versteckt ist und dessen Inhalte so ungenießbar sind, dass ich Lust hatte mit dem Titel zu provozieren und eine Diskussionsrunde zu starten, bei der ich selbst vor allem moderieren und zuhören wollte. Leider war kein Stuhlkreis möglich, aber die Diskussion verlief auch so sehr angeregt und dank der Teilnehmer brauchte ich auch nichts vorbereiten, außer der provokativen Frage und ein paar Ideen.

Es gab in der Runde nur zwei Journalisten und etwa fünf Blogger, die teilweise auch Überschneidungen zu Mitarbeitern aus der Öffentlichkeitsarbeit hatten, die jedoch die Große Mehrheit stellten.  Die Journalisten berichteten, dass sie etwa 500 bis 1000 Pressemitteilungen per Email erhielten, wovon im besten Falle einmal pro Woche eine zufällig zum eigenen Thema passe. Der Rest fliegt in den Spam-Ordner oder in den Papierkorb: verlorene Mühe. Der Pressebereich auf Webseiten wird auch von keinem der Journalisten gelesen, höchstens wenn die Recherche dort hin führt. Die Vorstellung, dass hunderte, vielleicht tausende Öffentlichkeitsarbeiter in Bonn für den Papierkorb arbeiten, regte mich auf. Ich stellte die These auf, dass Pressemitteilungen eigentlich gar nicht für die Presse oder die Öffentlichkeit geschrieben werden, sondern als internes Kommunikationstool dienen, um der Chefetage zu zeigen, dass man toll ist, bzw. weil die Chefetage diese Selbstbestätigung sucht, ohne wirkliche Ergebnisse, weder in der Presse, noch in der Öffentlichkeit. Die Finger gingen schneller hoch, als ich sie zählen konnte.

Einige Öffentlichkeitsarbeiter sahen sich etwas in die Enge gedrängt. Einer wollte die Texte so schreiben, dass die Journalisten sie möglichst einfach übernehmen können. Die Journalisten hatten aber auch Ihren Stolz und verwiesen darauf, dass Sie die Texte zumindest noch mal an den eigenen Schreibstil anpassen und zumindest grob online recherchieren, ob es nicht doch auch negative bzw. kritische Aspekte gebe. Aber niemals wurden sie Texte eins zu eins übernehmen. Die Mitarbeiterin eines Anzeigenblatts hatte dazu eine andere Position. Manche Vereine seien sehr dankbar, wenn ihre Meldungen genau so abgedruckt werden, auch wenn die Qualität nicht immer die höchste sei. Lokal habe das eine hohe Bedeutung im Sinne eines Bürgerjournalismus.

Die Diskussion machte aus meiner Sicht dann einen Schwenk vom Kern in Richtung “Duplicate Content” und ob dieser von Google abgewertet wird und wie man das vermeiden kann. Der Diskussionsball geriet dann fast ins Abseits, als wir durch die automatische Generierung von Sportnachrichten quasi den Beruf des Journalisten komplett in Frage stellten. Und dabei verdiene doch die Rhein-Zeitung online am meisten mit den Sportnachrichten. Wäre das nicht eine Gelddruckmaschine?

Ich versuchte noch mal ein Plädoyer für das Web 2.0 zu halten und die Chance zu nutzen um direkt mit den “Zielgruppen” der Journalisten und vor allem der Öffentlichkeit zu kommunizieren, unter dem Motto: auf Augenhöhe zuhören und ansprechbar sein. Ich vergaß zu betonen, dass die klassische Pressearbeit weiter wichtig sei, aber man ganzheitlicher denken müsste. So endete die Diskussion eher im Tenor, dass die klassische Pressearbeit weiter wichtig sei. Vielleicht dachten auch manche heimlich: “Das haben wir doch schon immer so gemacht.” Vielleicht wird es aber auch Zeit Dinge zu ändern.

Nach der kurzweiligen Session habe ich mich dann mit Dietmar Lang auf dem Flur verquatscht. Wir sprachen dann weiter über die Rolle von Aggregatoren, welche rechtlichen Rahmenbedingungen man beachten muss und über seine Arbeit als Journalist in Südamerika.

Instagram!

Die vorletzte Session kam schneller, als man es sich vorstellen konnte. Ich setzte mich in die Instagram-Session von @SonneundWolken und spielte bei Instagram mit Effekten und suchte nach Hashtags, während sie erklärte, wie man am besten eine Community aufbaut. Ein Bild sagt mehr als hundert Worte!

Zum Instagram-Erfolg ist es dank @sonneundwolken nicht mehr weit. #bcko15

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Warum ich Eure Blogartikel scheiße finde.

Bei der letzten Session war meine Aufmerksamkeitsspanne dann zur Aufmerksamkeitslosigkeit verkommen. Während ich anfing im hinteren Teil des Raumes diesen Blogartikel zu schreiben, wurde ich doch abgelenkt durch die Beschimpfung über schlechte Blogtexte. Ich nahm mir die Freiheit raus diesen Text frei Schnauze zu schreiben und scheinbar habt ihr es doch noch bis hier geschafft. Behalten habe ich, dass ein Blogtext sofort am Anfang die W-Fragen beantworten sollte. Wer macht was, wann, wo, wie und warum. Andererseits ist es oft bei Clickbaiting genau andersrum, dass man die zentrale Frage nicht beantwortet und so Neugier erzeugt. Ich war nicht ganz überzeugt, aber gebe mir trotzdem Mühe gute Texte zu schreiben und meine Sätze kurzer als 14 Worte zu halten (dieser hier hat 28 Worte).

Abschiedssession

Tja, und dann war auch schon das BarCamp Koblenz vorbei. Die Abschiedssession war kurz, aber nicht ganz schmerzlos, denn manche haben erst gerade Spaß am BarCampen bekommen. Man muss aber auch zugeben, dass am zweiten Tag schon viel weniger Leute dabei waren. Die Abschiedsession haben vielleicht noch ein Viertel der Leute erlebt. Wir hatten aber unseren Spaß und viel gelernt. In diesem Sinne zum Abschied noch mal ein herzliches Dankeschön an das Orga-Team, die Teilnehmer, Sponsoren und Unterstützer, von deren Arbeit wir alle profitieren durften.

Ich so: "Voll mein Spruch." @daimzen so: "Einmal mit Arbeit profitieren!" #bcko15

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Ich kann mich nicht entscheiden. Nehme ich alle. Abschiedsselfi beim #bcko15 mit @jottemm

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Bei der Rückfahrt diskutierten wir dann heftig, ob wir “für die Suchmaschine” schreiben sollen… das BarCamp-Gefühl hält an und vielleicht sieht man sich ja am 27.2.2016 dann beim BarCamp Bonn wieder.

Update 12.08.2015:

Die Zusammenfassung von Johannes, wie der Name sagt, fasst alles sehr schön zusammen.

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