Neue Workflows: vom Lesen und Schreiben unter digitalen Bedingungen

Commodore C64

Commodore C64 – meine erste digitale Tastatur.

Johannes schrieb drüben bei 1ppm.de darüber, wie er Content konsumiert. Ich hatte schon vor einigen Jahren schon mal einen Artikel angelegt, der lange Zeit in den Entwürfen lag und nur darauf wartete publiziert zu werden. Jetzt klopft der IronBlogger-Bot und statt 5€ in die gemeinsame Kasse zu zahlen, lasse ich mich lieber so dazu zwingen, diesen Artikel bzw. diese Auflistung nun endlich zu publizieren, wenn sie vermutlich auch niemals fertig sein wird und sich ständig verändert. So sieht also ganz grob mein Workflow aus, mit dem ich Inhalte aggregiere, kuratiere und dann in den verschiedenen Kanälen publiziere.

  • Aggregation

    • Kar, ich lese meistens Quellen im Internet, insbesondere via Social Media, also Twitter, Facebook und Co. RSS-Feeds sind für mich extrem wichtig, da ich sie mit TinyTinyRSS sammle und jeden Tag durchsuche.
    • Klassische Medien lese ich nicht so oft und wenn dann meist mit einer zielgerichteten Suche via Google, OPAC, Google Scholar, etc.
    • Wenn ich dann noch Zeit habe (z. B. im Urlaub oder am Wochende) lese ich meine Safari Leseliste durch (ansonsten durchsuche ich die Liste zielgerichtet nach Stichworten, z. B. PHP7, WordPress).
  • Kuration

    • Die meisten Artikel lese ich, versuche das wichtigste zu behalten und lösche sie aus der Leseliste.
    • Aus manchen Artikel folgt eine Aufgabe oder Idee, die speichere ich in Wunderlist.
    • Ganz selten folgt eine Notiz z. B. als Entwurf für einen Blogartikel in den iCloud Notizen.
    • Wenn daraus folgt, dass ich den Artikel archivieren und später ggfs. zitieren möchte, speichere ich ihn in Zotero.
    • Immer wieder bewerte ich die Filterfunktion: irrelevante Quellen werden entfernt bzw. neue Informationsquellen hinzugefügt.
  • Kreation

    • Ich schreibe direkt in WordPress, mit Word & Zotero. (Alternativen mit Versionskontrolle teste ich manchmal: Git, Markdown, Authorea,….)
    • Ich sammle und erstelle multimediale Inhalte, meist anlassebezogen: Screenshots Videos, Fotos, Audios, etc., kombiniert und produziert mit einer Vielzahl von Apps, also mit dem Smartphone oder Rechner.
    • Papier nutze ich gerne, wenn ich kreative Notizen machen möchte oder in der Brainstorming-Phase bin.
  • Publikation

    • Am liebsten publiziere ich in Blogs (aus Notizen werden Entwürfe, dann Artikel, ggfs. nutze ich Google Docs für kollaborative Texte).
    • WordPress dient für mich auch als Basis für andere Publikationsformate, z.B. Podcasts bei Audio mit Podlove Publisher, Tweets mit Link,…
    • Bücher drucken lassen, den Traumverlag gibt es noch nicht, aber PressBooks, PediaPress, Print-on-Demand-Digitaldruck (z.B. epubli) kommen schon sehr nah dran.

Medienmenü

Klar, wir leben in Filterbubbles, auch meine Inhalte stammen aus solchen Wahrnehmungsblasen. Darum ist es vielleicht ganz gut, transparent zu machen, wo ich mich hauptsächlich informiere:

  • Online-Medien

    • RSS-Feeds (Hauptinformationsquelle)
      • Blogs (zwischen 1000-2000 Blogs, ca. 1000 Überschriften überfliege täglich)
      • Nachrichtenportale
        • lokal, regional, national, international
        • teils in Form von Newsletter
      • Podcasts
        • gerne auch mit Längen über 2h, während Auto- oder Bahnfahrten.
    • Social Media:
      • Twitter
        • Interessen: Bonn, Technik, Wissenschaft, meistens lese ich meine eigene Timeline tatsächlich vollständig durch, ca. 1000-2000 Tweets am Tag.
      • Facebook
        • Freunde & Bekannte: eher Persönliches, aber auch viel Lokales. Ein bisschen Scrollen, fertig.
      • Youtube
        • Bonner Kanäle
      • Instagram Story, Google+, Snapchat und alles andere
        • Diese Netze probiere ich bei einer gewissen Relevanz aus.
      • Was ich bisher fast nicht nutze sind Reddit und Tumblr.
    • Mailinglisten und Foren
    • Meetups & BarCamps
      • Dort trifft man Menschen, hört ihre Geschichten und lernt vielleicht auch was Neues.
    • Apps
      • Ich habe über 250 Apps installiert, aber es gibt nur wenige, die ich täglich nutze.
  • Klassische Medien

    • Fernsehen (zeitweise via EyeTV automatisch durchsucht und auf Festplatte gespeichert, mittlerweile nur noch selten live)
      • zeitlich egal: Nachrichten, Doku, Info (z. B. via ZDF-App)
      • live: Trash-TV, Fussball, falls kein Internet vorhanden ist
    • Magazine
      • c’t: Ich kaufe sie selten, aber dann ist sie die einzige Zeitschrift, die mir das Geld für das bedruckte Papier Wert ist.
    • Radio
      • nur im Auto (aber eigentlich höre ich lieber eigene Playlists und Podcasts),
      • manchmal 1live, WDR2, Radio Bonn-Rhein/Sieg
    • Zeitung lese ich,…
      • wenn über etwas berichtet wurde, was mich persönlich betrifft.
      • wenn ich sie im Zug umsonst bekomme
      • wenn sie kostenlos in meinen Briefkasten gestopft werden.
    • Bücher
      • Dekorieren mittlerweile das Regal oder werden zum Bücherkasten gebracht, die ich nur noch selten die Langform lese.

Das ist nun ein kurzer Überblick über mein Lese- und Schreibverhalten. Ich habe jetzt nicht einzelne Quellen genannt, aber diese ändern sich auch fast täglich. Es ist ein ständiger Anpassungsprozess der Filter, einschließen und ausschließen. Es gibt nicht die perfekte Timeline. Vielleicht habt ihr ja Lust daraus eine kleine Blogparade zu machen? Wer aus der Wissenschaft kommt, darf auch bei https://edit.hypotheses.org einen Gastartikel zum Thema Lese- und Schreibworkflows veröffentlichen. Oder ihr schreibt einfach in den Kommentaren, wie und was ihr so lest!

Sascha Foerster

#Bonn #Blogs #Wissenschaft

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