Der Faktor „Angst“ und der Koreakrieg. Konrad Adenauer und die westdeutsche Bevölkerung 1950 (Magisterarbeit, 2012)

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Für meine Magisterarbeit bot es sich an, ein Thema an der Schnittstelle meiner Studiengebiete Geschichte (Magister) und Psychologie (Diplom) zu suchen. Während des Studiums in Bonn interessierte ich mich besonders für die Methoden und Theorien der Geschichtswissenschaft („Die französische Schule der Annales“), für die Studie „Deutsche Nachkriegskinder 1952 -1961“ und besuchte in den Semesterferien zweimal für mehrere Monate Südkorea (Reiseblog).

Um Synergien zu schaffen, überlegte ich mir Möglichkeiten meine Interessen zu verknüpfen. Irgendwann bei den Vorbereitungen für die Magisterarbeit stieß ich dann auf ein Zitat von Elisabeth Noelle-Neumann, der Gründerin des Allensbach-Instituts:

„Wovor haben die Deutschen denn dann Angst? Nach den Anschlägen vom 11. September in New York und Washington hat sich das Stimmungsbild schlagartig verändert. Die größte Sorge der Menschen ist die Möglichkeit eines Terroranschlages islamischer Fundamentalisten auch in der Bundesrepublik. Ebenso ist die Kriegsfurcht so groß wie seit Beginn der 50er Jahre nicht mehr. Damals war der Überfall des kommunistischen Nordens auf den Süden in Korea der Auslöser.“
(Gafron, 2001)

Die Emotion „Angst“ war also das Element, das diese so verschiedenen Themen untereinander und mit unserer Gegenwart verbunden hat und zum Thema meiner Magisterarbeit wurde. Kann man als Historiker überhaupt Emotionen untersuchen und wenn ja, wie? Diese Frage stellte ich mir und überlegte mir daher, zuerst einen theoretischen Teil zu schreiben, in dem ich mir die Methodik zur Untersuchung von Emotionen und Angst erarbeite, die ich danach in einem zweiten Teil am konkreten Beispiel der offenbar vorhandenen Angst in Westdeutschland bei Ausbruch des Koreakriegs 1950 anwende.

Die Magisterarbeit wurde 2011 von Prof. Dr. Joachim Scholtyseck am Institut für Geschichtswissenschaft der Universität Bonn betreut. 2013 erschien die Magisterarbeit unter dem geänderten Titel „Die Angst vor dem Koreakrieg“ bzw. „Der Faktor „Angst“ und der Koreakrieg“ im Tectum Verlag als Open-Access-Publikation (der gedruckte Titel und der Katalogtitel weichen leider voneinander ab). Über die Schwierigkeiten des Publizierens von Monographien unter OpenAccess-Lizenz habe ich bereits gebloggt. Die Arbeit selbst wird ab November 2014 hier unter der Lizenz CC-BY 3.0 DE veröffentlicht werden, wie es mit dem Verlag ausgemacht wurde. Die Literaturdatenbank steht jetzt schon zur Verfügung.

Abstract

Natürlich, dass man die Schwächen der Menschen, mit denen sie nun mal behaftet sind, als Kalkül bei allen Überlegungen einschaltet, das ist wohl klar.
(Adenauer, Gaus, 2005, S. 401)

Jeder weiß, wie sich Angst anfühlt, doch Historiker wollten von „schwachen“ Faktoren wie „Gefühlen“ in der „rationalen“ Geschichtswissenschaft lange Zeit nichts wissen. Dass Emotionen bedeutsame Faktoren der Geschichte sind, zeigte sich an Ereignissen wie 9/11. Nach Ausbruch des Koreakrieges am 25. Juni 1950 erlebte die junge Bundesrepublik Deutschland eine ähnliche Welle der Angst. Die Frontlinie des Kalten Krieges verlief mitten durch das geteilte Korea – die Sorge, dass nach Korea das geteilte Deutschland erneut einen Krieg erleben würde, lag also nahe.
Sascha Foerster zeigt am Beispiel der Angst vor einem „Dritten Weltkrieg“ den Mehrwert der Betrachtung von Emotionen für die Geschichtswissenschaft: Wie kann die Angst der westdeutschen Bevölkerung 1950 untersucht und belegt werden? Welche Regeln galten im Umgang mit dieser Emotion? Instrumentalisierte Konrad Adenauer die Ängste der Bevölkerung zur Durchsetzung seiner politischen Ziele „Westbindung“ und „Wiederaufrüstung“?

Vorschau

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Der vollständige Text steht seit November 2014 unter der Lizenz CC-BY 3.0 zur Verfügung.

Foerster (2013) Die Angst vor dem Koreakrieg (pdf, 1MB)

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ISBN 978-3-8288-3213-8
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Zitiervorschlag

Foerster, Sascha: Die Angst vor dem Koreakrieg. Konrad Adenauer und die westdeutsche Bevölkerung 1950, Marburg: Tectum 2013.

Links & Rezensionen

Natalie Wohlleben, Rezension zu: Sascha Foerster: Die Angst vor dem Koreakrieg. Marburg: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36887-die-angst-vor-dem-koreakrieg_45179, veröffentlicht am 20.03.2014.

Neuerscheinungen Herbst 2013, Tectum Verlag: http://issuu.com/tectumverlag/docs/tectum-wissenschaft-2013-2

Neuerscheinungen: Geschichte der CDU, http://www.kas.de/wf/de/71.13513/

Neuerwerbungen des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften, http://www.mgfa.de/pdf/Neuerwerbungen%20Dezember%202013.pdf

Sascha Foerster

#Bonn #Blogs #Wissenschaft

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5 Antworten

  1. Andi sagt:

    Spannendes Thema. Und toll, dass du dein Werk bald in deinen Händen halten kannst! Du hast da noch einen zotpress fehler am Anfang des Artikels „rumliegen“..lg, andi

  2. Andi sagt:

    Ich hab gehört die gehen mit der Zeit von alleine weg 😉

  1. 13. Februar 2015

    […] Das Crowdfunding ermöglicht mir es ein Jahr lang in der Forschungsgruppe „Deutsche Nachkriegskinder – revisited“ zu arbeiten, bis zum 6. Februar 2015 sind es also noch 9 Monate. Mein Ziel ist es, die Suche nach den Nachkriegskindern fortzusetzen und damit die Antragstellung für eine Nachfolgestudie zu unterstützen. Es gab mittlerweile einige weitere Treffen mit den Professoren der Forschungsgruppe um eine Forschungsantrag zur Förderung des Gesamtprojekts vorzubereiten. Bei diesem Nachfolgeprojekt sollen die Nachkriegskinder nochmals untersucht werden. Im nächsten Schritt werden einzelne Modulverantwortliche sich treffen und darauf hin hoffentlich die entsprechenden Teile des Antrags schreiben. Für eine Promotion schwanke ich bei der Themenwahl, aufgrund der Unwägbarkeiten, ob ein solcher Antrag schnell genug und erfolgreich gestellt werden kann. Wenn ich innerhalb der Psychologie promoviere, brauche ich Zugriff auf die Stichprobe und vor allem die Akten. Dieser Zugriff wird aber erst möglich sein, wenn die neue Nachkriegskinder-Studie läuft. Da es sich dabei durchaus um Monate bis wenige Jahre handeln kann oder ein Antrag auch nicht erfolgreich sein kann, überlege ich eine historische Promotion zu schreiben. Dazu habe ich erste Vorgespräche geführt und werde im Laufe der nächsten beiden Monate ein Exposé vorbereiten. Der Vorteil der historischen Promotion ist, dass ich sofort beginnen könnte die Akten und Protokolle auszuwerten, doch damit untersuche ich eben nicht die Nachkriegskinder, für die ich mich besonders interessiert hätte. Ein Thema, dass ich gerne weiter untersuchen würde, wäre nämlich Angst und Angststörungen in dieser Generation. Ich habe bereits meine Magisterarbeit zur „Angst vor dem Koreakrieg. Adenauer und die westdeutsche Bevölkerung 1950“ geschrieben. Die Untersuchung der Nachkriegsgeneration, die ja auch einen Krieg miterlebt hat, nämlich den Kalten Krieg, würde mich gerade aus dieser Perspektive besonders interessieren. Die Magisterarbeit gibt es übrigens auch als Buch zu bestellen. Auf Anfrage schicke ich gerne das Buch als Datei kostenlos zu. http://saschafoerster.de/2014/06/der-faktor-angst-und-der-koreakrieg-konrad-adenauer-und-die-westdeutsche-bevoelkerung-1950-magisterarbeit-2012/; […]

  2. 28. Juni 2016

    […] Das Crowdfunding ermöglicht mir es ein Jahr lang in der Forschungsgruppe „Deutsche Nachkriegskinder – revisited“ zu arbeiten, bis zum 6. Februar 2015 sind es also noch 9 Monate. Mein Ziel ist es, die Suche nach den Nachkriegskindern fortzusetzen und damit die Antragstellung für eine Nachfolgestudie zu unterstützen. Es gab mittlerweile einige weitere Treffen mit den Professoren der Forschungsgruppe um eine Forschungsantrag zur Förderung des Gesamtprojekts vorzubereiten. Bei diesem Nachfolgeprojekt sollen die Nachkriegskinder nochmals untersucht werden. Im nächsten Schritt werden einzelne Modulverantwortliche sich treffen und darauf hin hoffentlich die entsprechenden Teile des Antrags schreiben. Für eine Promotion schwanke ich bei der Themenwahl, aufgrund der Unwägbarkeiten, ob ein solcher Antrag schnell genug und erfolgreich gestellt werden kann. Wenn ich innerhalb der Psychologie promoviere, brauche ich Zugriff auf die Stichprobe und vor allem die Akten. Dieser Zugriff wird aber erst möglich sein, wenn die neue Nachkriegskinder-Studie läuft. Da es sich dabei durchaus um Monate bis wenige Jahre handeln kann oder ein Antrag auch nicht erfolgreich sein kann, überlege ich eine historische Promotion zu schreiben. Dazu habe ich erste Vorgespräche geführt und werde im Laufe der nächsten beiden Monate ein Exposé vorbereiten. Der Vorteil der historischen Promotion ist, dass ich sofort beginnen könnte die Akten und Protokolle auszuwerten, doch damit untersuche ich eben nicht die Nachkriegskinder, für die ich mich besonders interessiert hätte. Ein Thema, dass ich gerne weiter untersuchen würde, wäre nämlich Angst und Angststörungen in dieser Generation. Ich habe bereits meine Magisterarbeit zur „Angst vor dem Koreakrieg. Adenauer und die westdeutsche Bevölkerung 1950“ geschrieben. Die Untersuchung der Nachkriegsgeneration, die ja auch einen Krieg miterlebt hat, nämlich den Kalten Krieg, würde mich gerade aus dieser Perspektive besonders interessieren. Die Magisterarbeit gibt es übrigens auch als Buch zu bestellen. Auf Anfrage schicke ich gerne das Buch als Datei kostenlos zu. http://www.saschafoerster.de/2014/06/der-faktor-angst-und-der-koreakrieg-konrad-adenauer-und-die-wes… […]

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