Mein erster ScienceSlam für das Nachkriegskinder-Projekt

Am 14. Oktober 2013 habe ich zum ersten Mal an einem ScienceSlam im Bonner Pantheon-Theater teilgenommen. Dort habe ich das Thema meiner Psychologie-Diplomarbeit vorgestellt. Der Vortrag trug den sperrigen Titel „Evaluation der Methodologie einer Stichprobenreaktivierung“. Dabei ging es im Kern um eine einfache Frage: Wie bekomme ich eine Einwilligung zur Teilnahme an einer Studie von etwa 4000 Menschen, von denen ich aber nur 60 Jahre alte Adressen habe?

Der Auftritt hat mir sehr viel Spaß bereitet. Es war sehr schön, im Bonner Pantheon hinter die Kulissen blicken zu dürfen, um danach vor großem Publikum im Rampenlicht zu stehen und wissenschaftliche Inhalte in unterhaltsamer Form zu präsentieren. Hier ist die Aufzeichnung meines Vortrags.

Was ist ein Scienceslam?

ScienceSlam ist eine neue Art der Wissenschaftskommunikation, die unterhaltsam sein soll und dabei wissenschaftliche Forschungsergebnisse bekannt machen hilft. Die Regeln sind ganz einfach: Jede/r Teilnehmer/in muss sein eigenes Forschungsthema präsentieren, dafür hat er/sie genau 10 Minuten Zeit. Die Reihenfolge der Vorträge wird ausgelost. Zum Schluss bewertet das Publikum die Präsentationen. Der Gewinner bekommt einen kleinen Preis und darf seinen Sieg im ScienceSlam feiern. Meistens werden die Videos der ersten drei Plätze im Internet veröffentlicht.

Der ScienceSlam in Bonn wurde im Rahmen des Wissenschaftsjahrs „Die demographischen Chance“ in Kooperation vom Haus der Wissenschaft, Braunschweig und vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) Bonn veranstaltet. Der Gewinner des ScienceSlams in Bonn, Sven Büttner, wird am 16.12.2013 am Finale in Berlin teilnehmen.

http://www.scienceslam-im-wissenschaftsjahr.de

Wie bist du darauf gekommen teilzunehmen?

Das erste ScienceSlam-Video, das ich im Netz gesehen hatte, war „Darm mit Charme“ von der Medizinerin Giulia Enders, das fand ich sehr witzig und sehr gut gemacht. Ich wusste auch, dass bald ein ScienceSlam in Bonn stattfinden würde, aber ich kam nicht selbst auf die Idee teilzunehmen. Für so witzig hielt ich mein Thema und mich selbst nicht. Erst als der Betreuer meiner Diplomarbeit, Uwe Kleinemas, mich explizit auf eine mögliche Teilnahme an der Veranstaltung hingewiesen hat, habe ich mich beworben. Dazu brauchte ich nur eine 100-Zeichen-Email an das Haus der Wissenschaft schicken. Nach der Zusage habe ich noch einmal mit der Organisatorin Britta Eisenbarth telefoniert und hatte danach eine gute Woche Zeit zur Vorbereitung.

Wie hast du dich darauf vorbereitet?

Zuerst habe ich überlegt, welche Teile meiner Diplomarbeit überhaupt das Potential haben das Publikum wenigstens ab und zu zum Lachen zu bringen. Im Gespräch mit Freunden war dann klar, dass man eine Geschichte der Hürden der Diplomarbeit erzählen könnte, Hürden gab es wirklich genug. In vielen Gesprächen, wenn ich von meiner Diplomarbeit erzählte, probierte ich kleine Scherze aus und merkte so, was funktioniert und was nicht.

Mein Freund Andreas Greuel (hier sein Blog: http://psych.hypotheses.org) hat mir gezeigt, wie man mit Prezi arbeitet. Mir war wichtig, nicht nur den Zoom-Effekt von Prezi, sondern diesen Effekt auch metaphorisch für das Erzählen der Geschichte zu nutzen.

So sammelte ich immer wieder kleine Ideen, die mehrfache Kritik durchlaufen sind. Manchmal finde ich ja Scherze selbst witzig, aber kein anderer kann darüber lachen. Bei einer längeren Autofahrt musste sich meine Freundin den Vortrag mehrfach anhören, bis keiner der Witze mehr lustig war.

Am letzten Tag hatte ich dann zum ersten Mal genug Zeit auch die Präsentation vorzubereiten. Das Skript für den Ablauf war ja schon da, es fehlten nur ein paar Bilder.

Dabei war mir klar, dass die Präsentation nur 10 Minuten dauern würde. Wenn man für jede Minute eine gute Folie hat, reicht das meistens. Es ist trotzdem zeitlich knapp geworden.

Sind alle deine Scherze geplant gewesen?

Nein, das wäre auch zu langweilig. Wenn man auf der Bühne steht, merkt man relativ schnell, ob ein Scherz gut ankommt oder nicht. Aber besonders wichtig finde ich es, spontan sein zu können. Ich wusste, dass ein paar Scherze gut waren und nebenbei entwickelte sich der ein oder andere Scherz auf der Bühne. Es gab auch eine Nachfrage aus dem Publikum, darauf kann man eingehen. Oder man verdreht ein paar Sprichwörter, wie z. B. „Kurze Rede, langer Sinn.“ So was passiert mir ständig ohne Absicht, dass nennt sich auch Malapropismus, keine Sorge, das ist keine Krankheit!

Vor dem Auftritt war ich natürlich sehr angespannt und habe gezweifelt, ob die Scherze so gut ankommen. Nachdem ich den ersten Vortrag zur Pizza-Theorie gehört hatte, war ich selbst wieder etwas entspannter (Daher kommt auch der Pizza-Spruch am Anfang). Ich habe viele Freunde und Bekannte im Publikum entdeckt und fühlte mich ein bisschen wie zu Hause. Ein gekühlter vergorener Hopfentee aus dem Kühlschrank im Backstage wirkte ebenso kleine Wunder.

Hat deine Oma wirklich während des Auftritts angerufen?

Diese Frage möchte ich offen lassen.

Gibst du mir 20 €, wenn ich dir eine Liste mit den Adressen aller deutschen Einwohnermeldeämter besorge?

Ja, das meinte ich ernst! Ich habe versucht eine solche Liste zu finden, aber es gibt sie nicht, nicht mal für Geld. Aber ich arbeite daran, eine solche Liste per Crowdsourcing erstellen zu lassen und danach der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Wer mir diese Liste verkaufen oder mitmachen möchte, schreibe an email@saschafoerster.de.

Wie konntest du die Prognosen zur Studienteilnahme erstellen?

Die Ergebnisse meiner Diplomarbeit und noch mehr Informationen zum Thema „Die deutschen Nachkriegskinder“ werden bald im wissenschaftlichen Blog des Zentrums für Alternskulturen bei de.hypotheses.org veröffentlicht, dort werde ich inhaltlich mehr zum Thema schreiben.

Hier der Link zum Blog für die „Deutsche Nachkriegskinder“-Studie: http://zakunibonn.hypotheses.org

Was ist nach dem ScienceSlam passiert?

Es gab danach einen sehr netten Bericht im General Anzeiger, bei dem leider mein Nachname mit ö statt mit oe geschrieben wurde, dafür hat das Nachkriegskinder-Projekt viel Raum bekommen, was mich sehr gefreut hat.

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/bonn/kessenich/Sven-Buettner-gewinnt-den-Science-Slam-article1172326.html

Auch vorher hatte der General Anzeiger schon zum ScienceSlam berichtet.

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/bonn/kessenich/Science-Slam-im-Bonner-Pantheon-article1170413.html

Wenige Tage später wurden die Videos des Bonner ScienceSlams veröffentlicht:

Und bald gibt es auch schon den nächsten ScienceSlam in Bonn, nämlich am Montag, den 28.10.2013, wieder im Bonner Pantheon. Netterweise bin ich vom Veranstalter „looops“ auf die Gästeliste gesetzt worden.

Sascha Foerster

#Bonn #Blogs #Wissenschaft

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